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Fußball-Legenden: Wie geht es Diego Maradona?

Fußball-Legenden: Wie geht es Diego Maradona?

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„Ich möchte Euch sagen, dass es mir gut geht“

teilte Maradona am Mittwochabend mit. Zuvor hatte sein Argentinien das Achtelfinale der WM 2018 erreicht. Dank eines späten Toren von Innenverteidiger Marcos Rojo gegen Nigeria in der 86. Minute. Diego Maradona hatte einen Schwächeanfall erlitten, nachdem er zuvor das gesamte Repertoire seines theatralischen Könnens auf jene Bühne brachte, die er naturgemäß als die seine betrachtet: Die Weltbühne.

Mit irrem Blick ins Nirgendwo, gestützt von seiner Entourage. Mit der Körpersprache eines Messias. Wild gestikulierend, pöbelnd, mit zwei Stinkefingern bewaffnet, sich aufführend wie der härteste aller harten Fans der Albiceleste. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt bis zum Umfallen. So kennen wir ihn. Auf und abseits des Platzes. Geschont hat Maradona in seinem Leben weder sich noch andere. Ausgestattet mit göttlichen Füßen war Maradona einer der besten Fußballer, die es je gab. Nicht wenige – nicht nur in Neapel oder Buenos Aires – sagen: Der Beste. Ein Genie. Und wenn weder seine göttlichen Füße noch sein menschlicher Kopf reichten, dann musste eben die Hand Gottes her, die 1986 den Ball ins englische Tor beförderte.

Maradona war immer der Gegenentwurf zu den vermeintlichen Saubermännern im Weltfußball. So seilg grinsend wie Pelé und so staatsmännisch Suppe schlürfend wir Franz Beckenbauer hat man Maradona nie gesehen. Aber Weltmeister wurde Argentinien 1986 alleine wegen ihm und 1990 nur Vize-Weltmeister, weil alle anderen argentinischen Spieler zusammen nicht seine Klasse hatten und Andreas Brehme einer der sichersten Elfmeterschützen der Welt war. 1994 erzielte Maradona in der Vorrunden ein Klassetor und stürzte sich danach mit jenem irrem Blick, den wir auch gestern zu sehen bekamen auf seine beste Freundin: Die Kamera. Auch heute 2018 können die beiden nicht voneinander lassen.

Da mögen sie alle den Kopf schütteln, sich naserümpfend abwenden und die Tragik des 57-jährigen beschwören, der nicht nur einmal dem Tod von der Schippe sprang. Der seine Süchte nicht in der Griff bekommt. Der seinen Magen verkleinerte, aber nicht aufhören kann sein Ego ins Unendliche wachsen zu lassen. Ist Maradona da, dann sehen wir mehr Kamera-Einstellungen von ihm als von all den Staats- und Fifa-Präsidenten.Sein Hang zur großen Oper und kleinem Bauerntheater zugleich, seine kindliche Hybris, seine vergangene Genialität und seine Schamlosigkeit sind zu verführerisch als dass man an diesem großen Mann und kleinem Männlein vorbeikäme.

Nachdem Diego Maradona gestern Abend wieder bei Kräften war, schrieb er via Instagram: „Ein Kuss für alle und danke für die Unterstützung: Diego wird noch eine Weile da sein.“

Wir wissen nicht wie lange, aber wir werden ihn vermissen, wenn er nicht mehr da ist. Weil er uns daran erinnert, wie eng Genie und Wahnsinn, Superstar und Lächerlichkeit, Vergänglichkeit und Unsterblichkeit beieinander liegen.

In diesem Sinne: Auf den Diego, der in jedem von uns wohnt ;-)