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Traumberuf Fussballprofi?

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Wenn das Hobby nicht zum Traumberuf wird

Jonas Wendt war einmal auf dem Sprung zu einer Bundeligakarriere. Mittelstürmer beim FC aus Köln. In der B-Jugend 2 Tore gegen die Bayern. Unter Ewald Lienen im Bundeligakader. Unter Nachfolger Friedhelm Funkel außen vor. Kein Bundesligaspiel bis heute. Stand jetzt ist Jonas Wendt Kioskbesitzer und Trainer beim FC Bensberg. Doch heute währt nicht lange bei Jonas Wendt. Heute ist schnell gestern. 1983 in Leipzig geboren ist Wendt ein echter Kölscher Jung. FC, Fortuna, Viktoria, Junkersdorf, Porz oder Yurdumspor, in Kölle dürfte Jonas Wendt so ziemlich jeden Verein kennen.

Das lief alles so locker flockig

"Das lief alles so locker flockig, da war ich mir ziemlich sicher, dass das in eine bezahlte Richtung gehen wird." Sagt Wendt, der nicht den Eindruck eines traurigen Mannes, dessen großer Traum zerplatzt ist, sondern der seinen Frieden gemacht mit den verpassten Chancen. Wendt kann seinen Anteil daran gut einschätzen, warum er nie vor 70.000 in ein Stadion eingelaufen ist: "Ich hatte damals eine Nachtkneipe, die gehörte mir und da ist man natürlich auch öfter da gewesen und hat nicht nur Multivitamingetränke zu sich genommen."Jonas Wendt liebt das Leben, das sieht man ihm an. Seine Lachfalten haben nur die, die auch über sich selbst lachen können und den Fußball genauso lieben wie die anderen schönen Dinge des Lebens, die sich aber leider nicht mit einer Profikarriere im 21. Jahrhundert vereinbaren lassen.

Nur 18 aus 160 werden Profi

Doch nicht nur die Lebensfreude kann einem im Weg stehen. Auch die Talente, die wirklich um 21.00h mit einem Multivitamingetränke ins Bett gehen und auf Zigaretten und Alkohol verzichten, haben keine Garantie später einmal als "Scheiss-Millionär"beschimpft zu werden. Die Universität Kaiserslautern hat eine Studie erhoben und sich den Werdegang von 160 Fußballern im Zeitraum von der U12 bis zum Seniorenbereich angeschaut. Nur 18 schafften es. Und der Begriff Profi ist dehnbar.

Michél Harrer spielte in der Jugend gegen Mesut Özil und hat sogar die goldene ARD-Medaille für das "Tor des Monats" in der Erinnerungskiste. Die ist prall gefüllt mit Trikots und Wimpeln und schon wieder steht ein Umzug an: Sein Vertrag beim SC Wiedenbrück wurde nicht verlängert. Michél Harrer ist über 30 und damit bist Du selbst in der Regionalliga zu alt. Vierte Liga. Das VDV-Camp drohte, das Fuballcamp für Vereinslose und die schlauen Sprüche von Peter dem Großen Neururer. Ein bisschen mehr hätte esfür Michél schon sein dürfen. In seinem einzigen Zweitliga-Jahr saß Harrer verletzungsbedingt nur einmal aud der Bank, bevor es mit Rot-Weiss-Essen und auch ihm ständig eine Liga tiefer ging. Turu Düsseldorf, Magdeburg, Sylt (!). Doch jetzt mit 31 Jahren Viktoria Aschaffenburg, Regionalliga Bayern; in 4 Spielen 2 Tore und ein Assist für den gebürtigen Düsseldorfer Mittelstürmer, dem Peter Neururer sogar die erste oder zweite Liga zugetraut hätte. Hätte, hätte.

Über Hoffenheim nach Berlin

Das Leben ist kurz und das Fußballerleben noch kürzer. Waren in den 80er und 90er Jahren knapp 40-jährige Bundesligaspieler kein Weltwunder, bilden heute über 30-jährige Feldspieler schon fast die Ausnahme oder spielen wie Bastian Schweinsteiger in Übersee und machen parallel schon ihr Abschiedspiel.

Grischa Prömel war 2015 noch in der Jugend bei der TSG Hoffenheim. Sein Trainer ein gewisser Julian Nagelsmann. Und zugegen ein Kamerateam. Grischa Prömel ist gebürtiger Stuttgarter und schloss sich den Stuttgarter Kickers an, dem Verein, der Spieler wie Jürgen Klinsmann, Karl Allgöwer oder Guido Buchwald den Start in ihre Profikarriere ermöglichte. Grischa Prömel konnte sich im Herrenbereich in Hoffenheim nicht durchsetzen und ging nach Karlsruhe, zum KSC. Dann in der letzten Saison der Sprung nach Köpenick zu den Eisernen, zu Union Berlin. Ein mäßiges erstes Jahr. Doch nun im zweiten? Der "Berliner Kurier" titelt:Angekommen in Köpenick! Samt Exklusivinterview. Die "Berliner Zeitung" schreibt: Vom Bankdrücker zur Stammkraft. Mit fünf Startelfeinsätzen und nun 23 Jahren kickt Prömel gerade auf der Sonnenseite seines Berufes und hat noch einiges vor. Mit Union. Und möglichst bald Bundesliga.

Zwischenstation Unterhaching

Finn Porath kommt aus Mecklenburg-Vorpommern. Galt und gilt als Riesentalent. Seine Mutter betreut andere Riesentalente des Nachwuchsleitsungszentrum des HSV. Sie ist eine freundliche und herzliche Frau, der sich auch schon mal große Jungs in die Arme schmeissen, weil sie fertig sind und nicht wissen, ob sie das alles packen. Den Druck nehmen können, den jeder unter ihnen verspürt. Denn, was alle eint, dass ist die Liebe zum Fußball, aber auch der Ehrgeiz und der Fleiss, der sie schon früh ihren Traum folgen liess: Fußballprofi.

Sohn Finn ist gerade nich in Hamburg sondern in der anderen Ecke der Republik. Skilifte statt Waterkant. Finn Porath hat bisher 34 Bundesligasekunden schnuppern dürfen, ist aber nun für 2 Jahre nach Unterhaching in die dritte Liga verliehen. Momentan Tabellenführer. Nicht schlecht, doch für den ehrgeizigen Finn, der Ärger und Druck lieber mit sich selbst ausmacht, nur eine Durchgangsstation. Bis 2020 läuft sein Vertrag beim HSV, bis 2019 wird er noch bei der Spvgg. spielen, mit dem Bob im Vereinslogo und einem Trainer, der sich wie ein Schneekönig freut, ein solches Talent in seinen Reihen zu haben. Alle sechs Spiele hat Finn von Anfang an bestritten. "Wenn es so weiter läuft spielen der HSV und die Spielvereinigung nächstes Jahr doch eh in der gleichen Liga" frotzeln einige im Vereinsumfeld. Doch Finns Traum ist noch nicht zu Ende.