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Deutsches Aus in der Vorrunde – Eine historische Niederlage

Deutsches Aus in der Vorrunde – Eine historische Niederlage

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Was nun, DIE Mannschaft?

Wir haben fertig! Mund abputzen, weiter tippen? So einfach ist es nicht. DIE Mannschaft, die keine war, ist schon wieder zu Hause. Bevor das Achtelfinale überhaupt beginnt. Nicht ungewöhnlich für einen Weltmeister. Von den letzten fünf Weltmeistern verabschiedeten sich vier (!) bereits in der Vorrunde. Alleine Brasilien überstand diese, scheiterte aber im 2006 Viertelfinale an Frankreich mit 0:1.

Ausgeschieden in der Vorrunde ist Deutschland bei einer Weltmeisterschaft noch nie. Das ist neu. Das muss erst einmal verarbeitet werden. So neu, dass selbst die BILD sprachlos ist und nicht mehr einfällt als "Ohne Worte". Nach dem Herzschlagfinale gegen Schweden und dem traumhaften Freistoßtor von Toni Kroos in der 95. Minute schien der sprichwörtliche Bock umgestoßen. Doch der erwies sich als südkoreanisches Stehaufmännchen. Galt das Auftaktspiel gegen Mexiko als noch tieferer tiefster Tiefpunkt als der Tiefpunkt, den einst Waldemar Hartmann Rudi Völler unterstellen wollte, belehrte uns die Mannschaft gegen Südkorea eines schlechteren.

Selten hat man ein deutsches Team so schlecht spielen und so verdient ausscheiden sehen wie im letzten Gruppenspiel. So langsam, so uninspiriert, so ängstlich hat eine deutsche Elf, in der genug feine Fußballer stehen, selten agiert. Warum das passieren konnte, darüber wird seit Tagen auf allen Kanälen gerätselt, gewettert und spekuliert. Ob in der Eck-Kneipe oder im Yoga-Kurs die Nationaltrainerinnen und Nationaltrainer ergreifen das Wort. Und das sehr konkret. Nur der, der als Einziger von 80 Millionen sein Geld mit diesem Titel verdient bleibt merkwürdig distanziert und schwammig. Und führt damit das fort, was vor, während und nach der WM kein gutes Gefühl macht: Eine sonderbare Mischung aus Selbstherrlichkeit und Schnoddrigkeit. Die irgendwie jeder sieht, auch irgendwie irgendwo bei sich selbst, die aber sowenig greifbar wird, wie die Erklärung von Ilkay Gündogan hinsichtlich seines Besuches beim türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Und die Fragen aufwirft. Beispielsweise, wenn der Bundestrainer nach dem Spiel gegen Mexiko seinen eigenen Spielern eine gewisse Selbstherrlichkeit unterstellt und dem Betrachter irgendwie das Gefühl vermittelt, dass der Jogi Löw irgendwo gar nichts so richtig damit zu tun hat. Irgendwie.

DIE Mannschaft hat die Bodenhaftung verloren! lautet daher ein weit verbreiteter Vorwurf. Sie ist am Reißbrett entworfen, ein Produkt von Oliver "Frankenstein" Bierhoff! Und tatsächlich hat Bierhoffs Hochglanz-Lack in der Erdogan-Affäre erste Kratzer abbekommen. Die Nationalmannschaft ist eben mehr als ein privatwirtschaftliches Unternehmen, sie repräsentiert ihr Land und die Werte für die dieses Land steht. Vor diesem Hintergrund geht es eben nicht nur daraum, Dinge intern knallhart anzusprechen, sondern sich der Öffentlichkeit knallhart zu stellen. Ob es dann auch mal gut ist, wie Oliver Bierhoff mehrmals betonte, gerade außerdem seien Gündogan und Özil ja auch bei Steinmeier gewesen, das liegt eben nicht alleine in DFB-Hand. Im Übrigen hätte ein "Bundespräsident" vor Steinmeier der Bierhoffschen Formulierung durchaus gut getan. Wegen Respekt und so.

Es würde der Nationalmannschaft gut tun, wenn sie ihren Werbe-Claim ändern würde: Statt DIE Mannschaft UNSERE Mannschaft. Das könnte helfen die beiden Teufelchen Selbstherrlichkeit und Schnoddrigkeit von der Schulter zu bekommen und wieder Bock zu haben. Bock für dieses Team zu spielen und es spielen zu sehen. Ist ja noch nicht gar nicht so lange her, dass das der Fall war: nicht vier Jahre. Eins. Beim Confed-Cup! Den wir gewonnen haben mit einem Fußball den wir vermisst haben. Jogi Löw sagte nach dem Sieg:"Dieses Team hat füreinander Außergewöhnliches getan, um diesen Pokal zu erreichen"

Da wollen wir wieder hin: Zu einem Team, das sich als Mannschaft zeigt. Nicht mehr und nicht weniger! Wird man doch mal sagen dürfen :-)